Ausstellung: Johanne Bossmann - Inner Landscapes

Was geschieht, wenn Farbe nicht auf der Leinwand liegt, sondern durch sie hindurch in Bewegung gerät?

Die in Köln lebende Künstlerin Johanne Bossmann entwickelt ihre Malerei aus dem Zusammenspiel von Wasser, Farbe und ungrundierter Leinwand. Stark verdünnte Acrylfarbe gießt sie auf das Gewebe und führt sie mit der Hand über die Fläche, Schicht für Schicht. Die Farbe fließt, lagert sich ab, wird transparent und lässt das rohe Gewebe immer wieder durchscheinen. So entstehen Bilder, die weniger von einer festen Form ausgehen als von einem Prozess des Werdens.

Wer die Ausstellung betritt, wird zuerst von zwei großformatigen Arbeiten angezogen. Sie bilden ihre Pole und halten sie zusammen. In „Unfolding Calm" verdichten sich blaue Lasuren zu einer Landschaft, die an einen Canyon erinnert. Horizontale Farbzüge durchziehen das Querformat und lenken das Auge über die gesamte Breite, ohne es an einem eindeutigen Motiv festzuhalten. Einige Bilder weiter links antwortet „Untitled", ein Hochformat in Rot- und Orangetönen. Hier kreisen die Farbschichten um ein Zentrum, ballen sich zusammen, lösen sich wieder auf und geben stellenweise die unbemalte Leinwand frei. Die eine Arbeit führt den Blick in die Weite, die andere zieht ihn nach innen – ein Zwiegespräch zwischen Offenheit und Verdichtung.

Dazwischen hängen kleinere, quadratische Bilder. Auch sie lassen an Landschaft denken – mal durch ihre Farbigkeit, mal durch horizontale Schichtungen oder organische Formen –, wirken aber zurückgenommener und intimer. Vielleicht zeigen sie weniger Landschaft, als dass sie eine Erinnerung an sie wachrufen. Ihr Format lädt dazu ein, nah heranzutreten und zu verweilen.

Überhaupt verändern sich die Bilder mit dem Abstand. Aus der Entfernung wirken die große Form und ihre Farbklänge. Aus der Nähe gibt, was eben noch als ruhige, geschlossene Farbfläche erschien, feine Unregelmäßigkeiten preis: Das grobkörnige Gewebe wird sichtbar, einzelne Pigmente treten hervor und verbinden sich mit der Struktur des Materials. Die Oberfläche öffnet sich, ohne etwas festzulegen.

Bossmann kontrolliert die Farbe nicht vollständig; sie darf sich ausbreiten und ihren eigenen Weg nehmen. In diesem Wechsel von Setzen und Loslassen liegt die besondere Spannung der Arbeiten. Sie wollen nicht im Vorübergehen gesehen werden.

Zwischen den Bildern stellt sich so ein stilles Hin und Her von Weite und Nähe, Bewegung und Ruhe ein. Die Landschaft bleibt dabei offen: Sie liegt nicht als Motiv vor, sondern entsteht erst im Blick der Betrachtenden.

Alfter, den 30.9.2026

Floria M. Ude

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