Dieser Frage geht Jens Reichert in seinen Bildobjekten nach. Der in Ludwigsburg geborene Künstler lebt und arbeitet im rheinländischen Bornheim. In seinem Werk verbindet er Bildhauerei und Malerei zu einer Auseinandersetzung mit Material und Wahrnehmung.
Die Ausstellung substanziell versammelt dreizehn Bildobjekte, die zwischen 1998 und 2022 entstanden sind. Sie geben Einblick in eine über viele Jahre entwickelte künstlerische Praxis, die sich kontinuierlich mit den Möglichkeiten von Material und Wahrnehmung auseinandersetzt. In einer Frieshängung entfalten die Arbeiten einen ruhigen Rhythmus. Die stoffliche Grundlage der Werke bilden Holz, MDF-Platten, Pigmente, Schellack und Caseintempera. Die Arbeiten entstehen in einem vielschichtigen Prozess, in dem Material, Farbe und Bindemittel schrittweise aufeinander reagieren. Transparente Materialien und lasierende Farbschichten lassen die Tiefe ihres Aufbaus hervortreten und verleihen den Bildobjekten eine räumliche Wirkung. So entfalten sich die Werke weniger als gemalte Oberflächen, denn als Bildkörper, deren Materialität stets präsent bleibt. Gerade darin entsteht ein Bildraum, der weniger erzählt als erfahren werden will.
Mit zunehmender Betrachtung verändert sich jedoch die Wahrnehmung. Was zunächst als stoffliche Beschaffenheit erscheint, löst sich mehr und mehr in Licht, Farbklänge und räumliche Tiefe auf. Die Schichten öffnen den Blick, als ließe sich durch sie in einen unbestimmten Raum schauen. Auch die weit aus der Wand hervortretenden Objekte „dot2“ und „Wölbung 4“ erweitern dieses Wechselspiel zwischen Fläche und Körper. Gemeinsam eröffnen die Arbeiten einen Bildraum, in dem sich die stoffliche Präsenz der Werke allmählich in Licht und räumliche Tiefe verwandelt.
Text: Floria M. Ude
Erleben Sie Jens Reichert auch als Dozent:
02. - 04.10.2026
Das Tafelbild: Alte Technik, neue Möglichkeiten - Praktische Materialkunde für Malerei
11.12.2026 - 04.04.2027
Ein Jahr für die Kunst – Plastik und Skulptur (Modul III): Vertiefung und Individualisierung





