Barcamps – Ein Veranstaltungsformat, bei dem alle Teilgebende sind

Barcamps tauchen immer häufiger in Unternehmen und Organisationen auf. Auch im Werkhaus veranstalten wir dieses Jahr mit dem Alanus ARTcamp zum ersten Mal ein themenspezifisches Barcamp. In diesem Blogartikel erklären wir Ihnen, was ein Barcamp ist, wie es abläuft, wie das Programm entsteht, wie man sich einbringen kann und welche ungeschriebenen Regeln dieses besondere Format tragen.

 

Was ist ein Barcamp?

Ein Barcamp ist ein offenes Veranstaltungsformat, oft beschrieben als „Unkonferenz“. Im Gegensatz zu klassischen Konferenzen gibt es kein vorab festgelegtes Programm mit Speaker:innen und Zeitplänen. Stattdessen entsteht die Agenda erst am Veranstaltungstag selbst, gemeinsam mit allen Anwesenden.

Der Kern eines Barcamps ist der Austausch auf Augenhöhe. Alle Teilnehmenden sind zugleich auch Teilgebende. Jede Person bringt Wissen, Fragen, Erfahrungen oder einfach Neugier mit. BarCamps können thematisch offen sein oder sich um ein gemeinsames Oberthema drehen, etwa Technologie, Bildung, New Work oder wie in unserem Fall um das Potenzial von Kunst und künstlerisches Arbeiten.

Als agile Methode fördern Barcamps Vernetzung, gemeinsames Lernen und Innovation. Sie eignen sich besonders dann, wenn es noch keine klaren Antworten gibt, sondern viele Perspektiven gebraucht werden. In Unternehmen und Institutionen werden sie häufig als Instrument des Wissensmanagements und zur Förderung einer lernenden Organisation eingesetzt.

 

Wie läuft ein Barcamp ab?

Ein Barcamp folgt einem klaren Rahmen, auch wenn es sich spontan anfühlt.

Der Tag beginnt meist mit Einlass und Frühstück. Diese erste Phase dient dem Ankommen. Bei Kaffee, Tee und Brezeln entstehen die ersten Gespräche, Kontakte werden geknüpft und verspätete Ankünfte lassen sich entspannt auffangen.

In der Eröffnung begrüßt der Barcamp-Moderator oder die Moderatorin alle Anwesenden und führt in die Methode ein. Dabei geht es weniger um Regeln als um Haltung. Begegnung auf Augenhöhe, Offenheit und die Erlaubnis, nicht perfekt sein zu müssen, stehen im Mittelpunkt. Diese Werte werden idealerweise nicht nur erklärt, sondern sichtbar vorgelebt.

Ein zentrales Element ist die große Vorstellungsrunde. Alle Teilnehmenden stellen sich nacheinander vor und nennen ihren Namen sowie drei Hashtags, also drei Stichworte zu sich selbst. Diese Runde öffnet den Raum, senkt Hemmschwellen und macht sichtbar, welches Wissen und welche Interessen im Raum vorhanden sind. Daran schließt sich die Sessionplanung an.

 

Was ist eine Sessionplanung?

Die Sessionplanung ist das Herzstück des Barcamps. Hier entsteht das Programm.

Alle Teilnehmenden sind eingeladen, Themen vorzuschlagen. Das können Fragen, Impulse, Erfahrungsberichte oder Workshop-Ideen sein. Erlaubt ist, was die Menschen im Raum gerade bewegt. Die Themen werden kurz vorgestellt und das Interesse der Gruppe wird abgefragt.

Anschließend werden die Sessions direkt einem Zeitfenster und einem Raum zugeordnet. Jedes Thema, für das Interesse besteht, findet einen Platz auf dem Sessionboard. Es gibt keine inhaltliche Bewertung und keine Themen werden wegen zu geringen Interesses ausgeschlossen. Das Interesse dient lediglich dazu, eine passende Raumgröße zu wählen oder ähnliche Sessions zusammenzulegen. Die Planung folgt dem Prinzip von Transparenz und Demokratie. Bei Präsenz-Barcamps geschieht sie an großen Metaplanwänden, bei digitalen oder hybriden Formaten direkt in der Eventsoftware oder ergänzend in Tools.

In seltenen Fällen werden einzelne Programmpunkte vom Veranstalter gesetzt. Eigentlich entspricht dies nicht der klassischen Barcamp-Idee. Wenn die Inhalte jedoch partizipativ gestaltet werden und noch genügend Raum für alles andere bleibt, können diese Session natürlich einen interessanten Mehrwert bieten. Auch wir werden ein paar Angebote zusammen mit unseren Dozierenden vorplanen. Dazu informieren wir Sie im Vorfeld.

Wichtig ist: Nach der Sessionplanung starten die Sessions unmittelbar. Eine lange Pause würde den Flow unterbrechen. Wenn die Planung schneller geht als gedacht, beginnt die erste Session einfach etwas früher oder dauert etwas länger.

Der Barcamp-Tag ist in der Regel in drei bis vier Sessionslots gegliedert, die parallel in mehreren Räumen stattfinden. Im Alanus Werkhaus stehen Ihnen für das ARTcamp bis zu acht Räume zu Verfügung vom Seminarraum mit Beamer bis zum Bildhaueratelier. Zwischen diesen Slots gibt es kurze Pausen zum Wechseln, Durchatmen und für informellen Austausch. Die einzige längere Unterbrechung bildet auch bei uns eine gemeinsame Mittagspause mit warmem Essen. Sie dient nicht nur der Erholung, sondern ist ein wichtiger sozialer Bestandteil des Barcamps, in dem Gespräche aus den Sessions vertieft und neue Kontakte geknüpft werden. Danach geht es direkt weiter in die nächsten Sessions, ohne den Rhythmus des Tages zu verlieren.

 

Wie kann ich mich im Barcamp einbringen?

Die einfache Antwort lautet: auf jede erdenkliche Weise.

Man kann ein eigenes Thema anbieten und eine Session moderieren. Das bedeutet nicht, Expert:in sein zu müssen. Oft reichen eine gute Fragestellung oder der Wunsch nach Austausch. Die Person, die ein Thema einbringt, übernimmt die Moderation, nicht zwingend den Vortrag. Es ist aber auch möglich einen vorbereiteten Impuls oder Vortrag als Session mitzubringen.

Man kann sich aktiv an Diskussionen beteiligen, Fragen stellen, Erfahrungen teilen oder mitschreiben. In jeder Session wird idealerweise eine Person bestimmt, die die Ergebnisse dokumentiert. Man kann auch zwischen Sessions wechseln oder sich bewusst aus einer Session verabschieden, wenn sie gerade nicht mehr passt. Ebenso entstehen häufig informelle Gespräche außerhalb der offiziellen Sessions, etwa im Foyer, beim gemeinsamen Mittagessen oder bei Kaffee. Auch das ist Teil des Barcamps und ausdrücklich erwünscht.

 

Was sind die ungeschriebenen Barcamp-Regeln?

Neben dem formalen Ablauf gibt es einige ungeschriebene Regeln, die ein Barcamp tragen:

  • Begegnung auf Augenhöhe: Titel, Hierarchien und Rollen bleiben draußen. Jede Stimme zählt.
  • Während des Barcamps gilt deswegen auch das temporäre Du.
  • Teilen statt Konsumieren: Wer da ist, bringt sich ein, sei es mit Wissen, Fragen oder Aufmerksamkeit.
  • Es gibt kein Scheitern: Eine Session darf experimentell sein. Nicht jede Diskussion braucht ein perfektes Ergebnis.
  • Gesetz der zwei Füße: Wenn du nichts lernst oder beitragen kannst, nutze deine zwei Füße und geh dorthin, wo es für dich sinnvoller ist.
  • Transparenz: Themen, Entscheidungen und Ergebnisse sind für alle sichtbar.
  • Eigenverantwortung: Jede Person gestaltet ihren Tag selbst.

Diese Regeln werden selten explizit aufgeschrieben, prägen aber die besondere Atmosphäre eines Barcamps.

 

Abschluss und was danach bleibt

Am Ende eines Barcamps gibt es meist eine offene Feedbackrunde. Ergänzend kann eine Ergebnis-Reflexion in kleinen Gruppen helfen, die persönlichen Erkenntnisse in konkrete nächste Schritte zu übersetzen.

Nach dem Barcamp werden die entstandenen Dokumentationen gesammelt und allen Teilnehmenden zugänglich gemacht. Eine begleitende E-Mail-Reihe kann zusätzlich dabei helfen, Impulse in die Umsetzung zu bringen. Auch eine interne Auswertung im Organisationsteam gehört zu einem gelungenen Abschluss.

 

Zusammengefasst

Ein Barcamp ist kein Event zum Konsumieren, sondern ein Raum zum Mitgestalten. Es lebt von Offenheit, Beteiligung und Vertrauen in die Gruppe. Genau darin liegt seine Stärke. Wo klassische Formate Antworten liefern wollen, stellt das Barcamp Fragen und lässt die Menschen gemeinsam daran arbeiten. Erinnert Sie das nicht auch ein bisschen an Kunst?

 


Am 30. 04. 2026 öffnet das Alanus ARTcamp von 9 - 17 Uhr im Alanus Werkhaus Räume, um in Farben, Klänge und Worte einzutauchen. Kreativer Austausch, Vernetzung und spielerisches Experimentieren warten auf Sie. Für 30 € inkl. Frühstück, Mittagessen, Snacks und Getränken.
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